Mittelalterliches Handwerkerdorf begeistert
Kinder und Jugendliche


Zurück zur Natur – faszinierendes Ferienprogramm
auf der Burg Dilsberg


12. August 2009

Ferienprogramm auf einer Burg, das klingt interessant und in Kombination mit einem mittelalterlichen Handwerkerdorf nach spannendem Abenteuer. So erleben es Kinder und Jugendliche im Ferienmonat August bei ihrem faszinierenden Aufenthalt in der Burg Dilsberg.
 

Treff- und Mittelpunkt ist das große bunte mittelalterliche Zelt von Burgvogt Andreas Weber. Hier bietet Erlebnispädagogin Jutta Münch vom „Erlebnishof zur Schmiede“ jeweils eine Woche lang an, Natur zu erleben, sich selbst zu finden sowie auszuprobieren und das Ganze mit viel Spaß und Spannung.

Der erste Tag ist der schwierigste, bis sich alle Teilnehmer im Alter von 5 bis 14 Jahren gefunden haben. Bei der Einführung ins Handwerkerdorf werden klare Regeln auf- und das Programm vorgestellt. Hier gibt es keine Vorgaben, lediglich Angebote und die Kinder entscheiden selbst, auf welchem Sektor sie sich einbringen wollen.
 

Während ihres Aufenthalts erleben die Teilnehmer den ganzen Prozess vom Schaf zur Wolle, vom Baum zum Teller und alles unter Nutzung von einfachen Hilfsmitteln, wie sie eben früher üblich waren. Tatkräftige Unterstützung erhält die Pädagogin durch ihre großen Kinder Janina und Finn sowie Praktikant Nico.
 

Der erste Tag dient der Materialfindung von Rohmaterialien und Pflanzen, die gebraucht und zur Verarbeitung benötigt werden. Gemeinsam mit den Walliser Packziegen schaffen sie Holz und Weiden herbei. Nach der Schafschur steht das Waschen der Wolle an, bevor sie nach dem Trockenen mit Zwiebelschale, Ringelblume, Schöllkraut oder Haselnussblätter im großen Kessel über der Feuerstelle gefärbt, erneut gewaschen und getrocknet wird.
 

Um notwendiges Werkzeug kümmert sich die Gruppe um Schmiedin Sabine Seemann, die neben ganz praktischen Dingen wie Zeltheringe oder Gatterverschlüsse auch schöne Schmiedearbeiten herstellten. Dabei kam eine alte fußbetriebene Esse zum Einsatz, bei welcher Teamwork gefragt war. Einer kümmerte sich ums Feuer, ein anderer sorgte per Fußbetrieb für die notwendige Sauerstoffzufuhr, ein weiterer bediente den Schleifbock bzw. Schraubstock und nur gemeinsam gelangen die Arbeiten.
 

Tiere gehören ebenfalls zum Lager und werden rührend versorgt. Für Maggy das weiße Schaf und Gretel das schwarze mit ihren zwei sechs Wochen alten Jungen haben die Teilnehmer ein Gehege gebaut. Besonders beliebt ist das mutterlose braune Bärli, das mit der Flasche großgezogen werden muss.
 

Heute wurde Gretel zum ersten Mal nach der Geburt gemolken, eine etwas kritische Angelegenheit, da man ihren Babys die Milch wegnimmt. Deshalb waren mehrere Helfer notwendig um sie abzulenken. Viel gab sie nicht ab und da es zum Käse machen nicht ausreichte, durfte reihum die frische Schafsmilch probiert werden und Josies Beurteilung lautete: „Schmeckt nicht so süß wie Kuhmilch, aber sahniger!“
 

Beschwerlich war das frühere Leben in der Burg, denn die meisten Materialien mussten von außerhalb herbeigeschafft werden, was lange Wege hinab ins Tal erforderte und beschwerlich beladen wieder hinauf auf den Berg. So erlebte es jetzt eine Gruppe, die sich zum Weide holen auf den Weg zum Neckar machte. Immer auf der Hut vor Wildschweinen, von denen „Spähtrupps“ bei ihrem morgendlichen Spaziergang berichtet hatten, führte der serpentinenartige Weg durch den Wald und bei Abkürzungen rutschte man auch mal auf dem Hosenboden weiter.
 

Nebenbei erklärte Betreuer Nico interessante Details, beispielsweise über die Funktion von Schleusen oder wie man anhand Bäume Norden und Süden erkennen kann, nämlich an der bemoosten Nordseite. Jedoch kamen bei aller Arbeit und wissenswerten Informationen Spaß und Vergnügen nie zu kurz.
 

Am Neckar angelangt, traf man auf die Mädchengruppe, die mit Janina eine Wanderung unternommen hatte, übte sich im Steinweitwurf und ließ Kieselsteine über die Wasseroberfläche hüpfen. Nach einer Erfrischung hielten die Jungs Ausschau nach geeigneten Weiden und schnitten sie mit dem Messer ab. Je nach Körpergröße und Kraft wurden die Bündel verteilt und unter größtem Muskeleinsatz zur Burg geschleppt, eine schweißtreibende aber von Erfolg gekrönte Angelegenheit.
 

Die Tage sind ausgefüllt von notwendigen Arbeiten, wie Materialbeschaffung oder Kochen und der Herstellung von Flechtarbeiten aus Weide, dem Färben, Filzen und Spinnen von Wolle, der Fell- und Lederverarbeitung, Schnitzereien aus Pflaumenholz sowie der Käseproduktion.
 

Bei so viel Bewegung an frischer Luft ist es kein Wunder, dass sich die Mannschaft das Mittagessen so richtig schmecken lässt. Die oberste Regel die hierbei beherzigt wird lautet, „Ich will nicht hören was nicht schmeckt, sondern nur was schmeckt!“ und es scheint allen zu schmecken.
 

Nach einer Übernachtung im Zelt steigt am letzten Tag ein weiterer Höhepunkt, der Handwerkermarkt mit Gauklern und Schaukampf auf der Burg, zu dem Eltern und Freunde herzlich willkommen sind. Alle angefertigten Arbeiten, Bälle, Filzbilder, Schnitzereien, Leder- und Schmiedearbeiten werden voller Stolz präsentiert. Nach fünf gemeinsamen Tagen verlassen 30 glückliche und zufriedene Kinder den Burghof. Selbst die Eltern sind begeistert, von Abenteuerlust gepackt und würden am liebsten an so einer Erlebniswoche teilnehmen.
 

Lust bekommen? Für die letzten beiden Augustwochen sind noch wenige Plätze für Kinder ab 10 Jahren frei. Weitere Infor- mationen und Anmeldung unter:

Telefon 06223 74126
Handy 0176 25692486
Mail erlebnishof@yahoo.de

 
Text: boe
Bilder: bz  & Bilder Andreas Weber